Valentino Le Méta-Théâtre Des IntimitésHerbst Winter 25/26
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„Manchmal scheint das Wort Intimität einen Nimbus zu haben, der es näher an ein Versprechen von Authentizität rückt, einen geschützten Raum, in dem es endlich möglich ist, die verborgene Wahrheit von Menschen zu berühren, jenseits der Einheitsuniformen der Erscheinung.“
(R. Màdera)
Aber können wir tatsächlich mit unserem wahren Selbst in Kontakt kommen, wenn wir uns von der Oberfläche der Dinge entfernen? Ist es möglich, Intimität als Zugang zu einem tiefen Kern der Wahrheit zu begreifen, im Gegensatz zu den Masken, die uns die Massengesellschaft auferlegt?
Ich denke, dass diese Verherrlichung der Intimität als Zuflucht eine schlüpfrige Illusion ist: ein Versuch, innerhalb des sich ständig verändernden Flusses unserer Existenz nach Beständigkeit und Identität zu suchen; der unaussprechliche Wunsch, das irreduzible Kaleidoskop unseres Selbst, das konstitutiv vielfältig ist, zu vereinheitlichen.
Wir sollten wissen: Keine Intimität kann uns letztlich entkleiden, kein Schleier kann zerrissen werden, um uns vor unser wahres Ich zu stellen. Denn die Vorstellung, dass es ein authentisches Selbst gibt, das vom Leben und seinen Bestimmungen unberührt bleibt, ist irreführend.
Wir könnten genauso gut verstehen, dass auch die tiefste Intimität letztlich ein Theater ist. Oder vielmehr ein Metatheater im Theater der Existenz: eine hinter der Kulisse liegende Raum-Zeit, die die Merkmale einer nie endenden Aufführung aufweist. Eine geheimnisvolle und vielschichtige Darstellung, in der wir uns die grundlegende Frage stellen: Wer sind wir?
Die Intimität als metatheatralen Raum zu betrachten, bedeutet nicht, ihre Bedeutung zu leugnen. Es bedeutet vielmehr, „viele Schichten auszupacken, ohne so zu tun, als ob, um schließlich den Kern zu finden, die verborgene Essenz, die aus diesem Grund wahrer sein sollte als die Inszenierung der Äußerlichkeit, des Rollenspiels, der Verstellung“. (R. Màdera)
Schon Ludwig Wittgenstein hatte den Gegensatz zwischen Tiefe und Oberfläche dekonstruiert und betont, dass das Äußere alles enthält, was tief ist. Paul Valèry konnte es poetisch ausdrücken: „Das Tiefste am Menschen ist seine Haut“. Wir können dieses Konzept auch in die entgegengesetzte Richtung treiben. Die Oberfläche enthält nicht nur die Tiefe, sondern die Tiefe selbst muss als eine Schichtung von Oberflächen verstanden werden. (M. Perniola)
Ausgehend von diesen Prämissen habe ich mir eine öffentliche Toilette vorgestellt: einen Gegenort, der den Dualismus zwischen Innen und Außen, zwischen dem Intimen und dem Offenen, zwischen dem Persönlichen und dem Kollektiven, zwischen dem, was privat bleibt und dem, was geteilt werden soll, zwischen Tiefe und Oberfläche neutralisiert und aufhebt. Eine räumliche Heterotopie (M. Foucault), in der das Ritual der Pflege von Intimitäten seine metatheatralische Dimension deutlich offenbart.
Das Ergebnis ist ein dystopischer, beunruhigender, Lynch'scher Raum: ein vorübergehend autonomer Raum, frei von der Kodifizierung von Normen, stolz politisch, weil er das Potenzial hat, jede starre binäre Klassifizierung zu unterlaufen. Ein Raum des Scheins (H. Arendt), in dem die Intimität durch das An- und Auskleiden ihre Rolle als Identitätskonstruktion zurückerlangt. Weit entfernt von jeder essentialistischen Haltung.
Alessandro
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