VALENTINO VERTIGINEUX

HAUTE COUTURE 2025

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„Die Liste steht am Ursprung der Kultur. Sie ist Teil der Geschichte der Kunst und Literatur. Und was will die Kultur? Sie will das Unendliche begreifbar machen. Sie will Ordnung schaffen – nicht immer, aber oft. Und wie kommen wir als Menschen mit der Unendlichkeit zurecht? Wie können wir das Unbegreifliche fassen? Durch Listen, Kataloge, Sammlungen in Museen, Enzyklopädien und Wörterbücher. Die Liste zerstört die Kultur nicht, sie erschafft sie.“ 

(Umberto Eco, Die unendliche Geschichte) 

Die Faszination für Listen und die Vorliebe für die Aufzählung von Dingen, Menschen und Phänomenen haben die Geschichte der Menschheit immer begleitet. Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit ist die rhetorische Figur der Liste von der Wissenschaft nur selten auf ihr erzählerisches und poetisches Potenzial hin untersucht worden. Umberto Eco kommt der Verdienst zu, eine anregende Interpretation dieses Themas in den Vordergrund der zeitgenössischen Debatte gerückt zu haben, indem er Beispiele aus Kunst und Literatur zusammengetragen und detailliert analysiert hat: von Homer bis Joyce, von Ezechiel bis Gadda, von Arcimboldo über Calvino bis Moreau.

Dem italienischen Semiologen zufolge bewegt sich jede Liste zwischen zwei entgegengesetzten und sich ergänzenden Tendenzen. Auf der einen Seite ist sie ein Versuch, die unendliche Ausdehnung des Bestehenden in einen sinnvollen Rahmen zu fassen. Ein Weg, etwas Ordnung in das Chaos des Universums zu bringen. Solche Aufzählungsversuche dienen vor allem einer praktischen Funktion, wie bei der Zusammenstellung von Nachlassvermögen, Bibliotheksinventaren oder Museumsarchiven. Auf der anderen Seite kann die Liste in die Poesie übergehen und zu einem visionären, ästhetischen und erzählerischen Instrument werden. In diesem Fall verneigt sich die Liste vor dem Unaussprechlichen und verweist auf das Unendliche. Sie zielt nicht darauf ab, das Chaos zu bändigen, sondern es zu kontemplieren.

Diese beiden Dimensionen existieren oft nebeneinander und geben sich ein geheimes Rendezvous. Wie Bernard Sève uns daran erinnert: „Die Liste ist gleichsam geschlossen und offen, statisch und dynamisch, endlich und unendlich, geordnet und ungeordnet, ohne jemals aufzuhören, eine Liste zu sein“. Aufgrund dieser Duplizität, da sie sowohl ein Instrument der Ordnung als auch eine Quelle der Desorientierung ist, erzeugt die Liste Begeisterung und Benommenheit.

Genauer gesagt spricht Eco vom „Schwindel der Liste“, um dieses besondere Gefühl hervorzurufen, das durch die stürmische, hemmungslose und obsessive Aufzählung entsteht, die oft am Rande eines etcetera endet. Dieses etcetera schafft einen Schwebezustand vor etwas, das sich potenziell ins Unendliche ausdehnen kann, das sich nicht eindämmen oder eingrenzen lässt. Der Schwindel entsteht in der Tat aus der Unfertigkeit jeder möglichen Aufzählung; er liegt in dem Durst nach Unendlichkeit, der jedem endlichen Ding innewohnt.

Diese Überlegungen begleiteten mich bei der Vorbereitung meiner ersten Haute Couture Show. Und sie drängten mich dazu, mir jedes einzigartige, endliche und unwiederholbare Kleid als einen ununterbrochenen und potenziell unendlichen Katalog von Wörtern vorzustellen: eine ungrammatische Liste, die die durch Anhäufung und Aneinanderreihung fortschreitet. Achtundvierzig Kleider: achtundvierzig Listen. In jeder Liste koexistieren sowohl materielle als auch immaterielle Elemente: messbare Proportionen, emotionale Fäden, bildhafte Referenzen, Warennotizen, biographische Quilts, filmische chromatische Geometrien, philosophische Nähte, musikalische Zeichen, symbolische Verkettungen, sprachliche Stickereien, botanische Fragmente, visuelle Archetypen, historische Stoffe, erzählerische Intarsien, Beziehungsknoten usw.

Als ob jedes Kleid durch Assoziation eine Vielzahl miteinander verbundener Welten hervorrufen würde: eine fieberhafte und unaufhörliche Schichtung von Referenzen, die seine Einzigartigkeit explodieren lässt. Calvino würde eine solche Liste als „Tierkreis der Geister“ bezeichnen: eine Poetik des etcetera, in der sich jeder Faden, jede Naht, jede Farbspur in eine Vielzahl von Worten verwandelt, die die Grenzen des Sichtbaren überschreiten. Eine Konstellation von Visionen, die zittert und sich im Strudel der Aufzählung auflöst.

Jedes Kleid ist nicht nur ein Objekt, sondern vielmehr der Knoten eines Bedeutungsnetzes: eine lebendige Kartografie, die Spuren visueller und symbolischer Erinnerungen bewahrt. Es ist ein narratives Archiv, in dem unwahrscheinliche Kombinationen Harmonie finden, Erinnerungen Epochen und Kulturen durchkreuzen und das Echo vergangener Geschichten in der Gegenwart nachhallt. Es ist eine Liste, die sich zu einer Explosion von Kombinationen, Erinnerungen und Echos bis an den Rand des Sagbaren entfaltet. Es ist die Reise in den Schwindel einer unvollendeten Vielfältigkeit.


Alessandro

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